
05.10.09 –
Zur Begrüßung der Erstsemester saß beim Oberbürgermeister der Stadt Lüneburg, Ulrich Mädge (SPD), der Frust über das Wahlergebnis vom vergangenen Wochenende wohl noch tief. Dass Lüneburg eine Studentenstadt geworden sei, gefalle ihm ganz gut, nur ein Aspekt daran störe ihn. Zu den Neuankömmlingen sagte er: "Sie beeinflussen Wahlergebnisse - auch wenn ich mich über die Richtung nicht nur freue". Landeszeitung und Hamburger Abendblatt bringen das unisono mit dem guten Abschneiden der Lüneburger Grünen bei den vergangenen Wahlen in Zusammenhang.
Bei der Bundestagswahl haben die Grünen in der Stadt Lüneburg 21,4% geholt, bei der Europawahl im Juni waren es volksparteiverdächtige 28,2%.
Sind die Befürchtungen von OB Mädge berechtigt? Beeinflussen die Lüneburger Studierenden also das Ergebnis der Grünen vor Ort?
Dazu ein paar Überlegungen:
Im Sommersemester 2009 waren in Lüneburg 7.444 Studierende eingeschrieben. Nehmen wir an, dass etwa 6000 davon in Lüneburg ihren Erstwohnsitz gemeldet haben. Viele pendeln aus Hamburg und Lübeck, andere melden sich in Lüneburg nicht an, obwohl sie hier wohnen. Studierende würden demnach etwa 10,9% der 55.223 Lüneburger Wahlberechtigten ausmachen.
Es ist bekannt, dass die Grünen in der Gruppe der AkademikerInnen ihre größten Stimmanteile holen. Laut Forschungsgruppe Wahlen wählten 16% der Menschen mit Hochschulreife bei der Bundestagswahl die Grünen, diejenigen mit Hochschulabschluss stimmten zu 18% für sie. Irgendwo dazwischen sollte sich also der/die Durchschnittsstudierende befinden. Wenn das auf die Lüneburger Studierenden zutrifft, kann sich OB Mädge beruhigt zurücklehnen, denn dann würden Studis das Wahlergebnis nach unten drücken.
16-18% für die Grünen machen bei einer Wahlbeteiligung von angenommen 80% etwa 760 bis 860 Stimmen aus. Ein kleines Gedankenexperiment: denken wir uns die Studierenden aus Lüneburg ceteris paribus weg. Es gäbe noch 49223 Wahlberechtigte in Lüneburg, bei der vergangenen Bundestagswahl hätten 4800 weniger Menschen mit abgestimmt, den Grünen würden 860 Stimmen fehlen. Das hypothetische Wahlergebnis: 21,6% für die Grünen. Mehr als bei der vergangenen Wahl.
Die Lüneburger Studis müssten also anders als der Bundesdurchschnitt der Menschen mit Hochschulreife und Hochschulabschluss wählen (Nachhaltigkeitsuni!, jugendlicher Idealismus). Nehmen wir an, es würde jedeR vierte Studierende hier für die Grünen stimmen. Die kämen dann - gleiches Gedankenexperiment - bei einer studilosen Wahl immer noch auf 20,7%. Erst wenn man annimmt, dass die Studierenden zu über 30% die Grünen wählen und bei der Wahl nicht mitgezählt würden, könnte dies die Grünen unter die 20%-Marke drücken. Ein solch hoher Stimmenanteil für die grüne Partei unter den Studierenden ist durchaus wünschenswert, aber eher unrealistisch.
Dass Lüneburg eine Studentenstadt geworden ist, beeinflusst vieles im Positiven. Auf das Wahlergebnis der Grünen dürfte es jedoch kaum Einfluss haben.
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